Die Hannover Messe ist groß. Wirklich groß. Partnerland Mexiko, Aussteller aus aller Welt, eine Halle voller humanoider Roboter, dazwischen Exoskelette zum Anprobieren und vierbeinige Roboter, die man selbst steuern darf. Es ist das Schaufenster der industriellen Welt und ein Ort, an dem Quantentechnologien zunehmend ihren Platz finden.
Ich war zwei Tage dort, eingeladen über das Quantum-Future-Women-Programm des BMFTR, mit Quantum Valley Lower Saxony (QVLS) als lokalem Partner. An dieser Stelle vielen Dank für die tolle Initiative und die Organisation.
„Quantum Future Women“ hatte ich bereits im Oktober auf der Quantum-Effects-Messe in Stuttgart kennengelernt, als das Programm dort vorgestellt wurde. Jetzt zwei Tage als Teil dieser Gruppe in Hannover zu verbringen, war für mich ein klares Highlight im Kalender.
Was ich mitgenommen habe
Der Donnerstag begann mit einer geführten Tour zu Quantum-Ausstellern aus dem deutschen und internationalen Ökosystem, darunter QUDORA, planqc, neQxt, Classiq und viele andere. Was über die Tour hinweg deutlich wurde: Quantum verlässt nach und nach das Labor. Die Gespräche drehten sich nicht mehr nur um Hardware-Roadmaps, sondern um die Fragen, die mit der Anwendung kommen: Anbindung an Hochleistungsrechner (HPC), Zugang zu Quantencomputing-Rechenkapazitäten, Software-Layer über unterschiedliche Hardware hinweg und konkrete Erprobung von Use Cases in Feldern wie Logistikoptimierung, Simulation in der Chemie und Life Sciences oder Quantum Machine Learning. Das Feld macht gerade entscheidende Schritte in Richtung Integration in die echte Welt.
Am Nachmittag ging es zur FEMWORX, dem Karrierekongress für Frauen im Rahmen der Messe. Inspirierende Begegnungen mit Verena Pausder und Yael Meier: Stimmen, die eine ganze Generation prägen. Dazu ein Workshop zu agentischer KI als Werkzeug für wirkungsvolleres Networking und eine Keynote mit einem Satz, der hängen blieb: „Weich ist nicht das Gegenteil von stark.“
Am Abend dann das Quantum-Future-Women-Dinner: ein Raum voller Frauen, die in Quantum forschen, gründen, kommunizieren und gestalten. Die Gespräche reichten von aktuellen Entwicklungen im Quantencomputing über die Nachhaltigkeitsklassifikation von Quantensensorik-Hardware bis hin zu Wissenschaftskommunikation und Einsteins Relativitätstheorie im Verhältnis zur Quantenmechanik. Getragen war die Atmosphäre von begeistertem Interesse füreinander, gegenseitiger Unterstützung und substanziellen Diskussionen auf Augenhöhe.
Die Erkenntnis
Ich war in den letzten Jahren auf einigen Quantum-Veranstaltungen und Messen. Die Panels in der Branche sind häufig überwiegend männlich besetzt, oft ausschließlich. Nicht aus böser Absicht, oft schlicht aus Gewohnheit und kurzen Kontaktnetzen. Nach diesen zwei Tagen weiß ich noch klarer: Es liegt nicht an einem Mangel an Expertinnen. Sie sind da. Mit tiefgehender Expertise, Wortgewandtheit und neuen Impulsen. Stimmen, die gehört werden müssen.
Was fehlt, sind Vernetzung in den entscheidenden Runden und Sichtbarkeit auf Bühnen, in Artikeln und dort, wo über Förderlogiken und Strategien entschieden wird.
Warum jetzt Women in Quantum Hamburg
Genau hier sehen wir Verantwortung und Hebel. Als Ökosystem-Initiative sind wir an Stellen beteiligt, an denen Sichtbarkeit entsteht: Wir wirken bei der Kuration von Panels mit, empfehlen Expert:innen und bringen Menschen zusammen. Das ist eine Verantwortung, die wir gemeinsam mit den anderen Akteur:innen im Hamburger Quantenökosystem wahrnehmen wollen.
Women in Quantum Hamburg ist eine offene Community für Frauen, die bereits im Quantenbereich tätig sind, sowie für alle, die sich dafür interessieren. Ausdrücklich willkommen sind auch nicht-binäre, inter, trans und agender Personen. Wir verstehen die Community als Raum für alle, die im Quantenökosystem strukturell unterrepräsentiert sind. Das Ziel: Sichtbarkeit, Vernetzung, Mitgestaltung.
Die Plattform ist jetzt live: hqic.de/talent-connect /frauen-in-quantum-hamburg/
Wenn du selbst dazugehörst: Trag dich ein. Wenn du jemanden kennst, für den das hier interessant sein könnte: Leite es gern weiter.
Über die Autorin
Lisa Steinhauser ist seit 2024 Projektmanagerin für Quantentechnologien bei der hqic und beschäftigt sich mit den Bereichen Technologietransfer und Use-Case-Entwicklung, Startup- und Laborinfrastruktur, Policy und Stakeholder-Beziehungen sowie Programmen zur Förderung der nächsten Generation an Quantentalenten. Ihr Hintergrund liegt in der Betriebswirtschaftslehre und Informatik. Ehrenamtlich engagiert sie sich als Mentorin bei Organisationen wie proTechnicale und TechLabs und setzt sich für Frauen in Tech und Unternehmertum ein. // steinhauser@aric-hamburg.de
